Mit dem Rad zu Romantik-Schauplätzen

Residenzstadtverein Putbus beginnt Caspar-David-Friedrich-Spurensuche

Das ist sicher! Caspar David Friedrich hätte sich über die herbstlichen Stimmungen und südrügenschen Ansichten gefreut, die von den Gästen der Romantiker-Radtour am letzten Oktobersamstag 2010 erlebt und erradelt wurden. Der Förderverein Residenzstadt und Schlosspark Putbus lud zu einer fünfstündigen Reise auf den Spuren des großen deutschen Romantikers ein. Mit seinen Skizzen und Gemälden hatte er vor 200 Jahren dazu beigetragen, dass die Insel Rügen als Reiseziel von Dichtern und Malern aufgenommen wurde. Siebenmal besuchte er zwischen 1801 und 1826 die Insel, um auf mehrtägigen Wanderungen nach den Naturschönheiten wie Boddenlandschaften, Kreidefelsen oder romantischen Baumgruppen zu suchen.
Professor Dr. Hans Dieter Knapp, Vorstandsmitglied im Verein und Leiter der Internationalen Naturschutzakademie Vilm, führte die 20 Gäste zu insgesamt zehn besonders wertvollen Standorten. Dort hat der Maler auf seinen vier Reisen in der Umgebung von Putbus die Landschaften skizziert, die als Vorarbeiten für größere Gemälde als Auftragswerke beispielsweise gedacht waren. Nach einem Grundsatz setzte er seinen Bleistift auf dem mit einem Raster versehenen Blatt an: „Ein Bild soll nicht erfunden, sondern empfunden sein.“ Daher gehörten die genaue Beobachtung des Gesehenen und die damit verbundene Empfindung zu jeder seiner Skizzen, die jetzt als Grundlage für die nachempfundene Reiseroute dienten.
Sehr akribisch und wanderungserfahren stellte Professor Knapp seinen Zuhörern die Skizzen, die Tagebucheintragungen und Beschreibungen der Besonderheiten dieser Kulturlandschaft vor. Die Eintragungen von der Reise im August 1801, die der Referent vortrug, veranschaulichten die damalige Wetterlage, die Reiseumstände und Befindlichkeiten des Malers. Zugleich konnte Knapp auf seine Gespräche und Vorortsuchen mit dem Friedrichkenner Hermann Zschoche zurückgreifen, der für sein Standardwerk „Caspar David Friedrich auf Rügen“ (1998) umfangreiche Studien dazu betrieb. Die Frage, wo könnte Friedrich gestanden haben, als er zum Beispiel die „Landschaft mit dem Regenbogen“ skizziert hat, bewegte den Wissenschaftler. Alte Landkarten und historische Beschreibungen dienten zur Rekonstruktion der Standorte.
Genau mit dieser Frage machten sich die Interessierten auf den Weg, der von der Schlosskirche Putbus bis nach Gobbin auf fast 35 Kilometern durch das Putbusser Land führte. „Wir müssen doch herausbekommen, von wo aus Friedrich die Landschaft mit dem Putbusser Schloss zeichnete“, fragte Henry Gurski, der vor zwei Jahren die Caspar-David-Friedrich-Sicht mit Tisch und Bank aus Stein in der Nähe des Dorfes Krakvitz entstehen ließ. Prof. Knapp zeigte seinem Vereinskollegen an dem vierten Stopp die mögliche Perspektive. Am Beginn der Allee bei Glowitz, einem kleinen Ort in der Nähe von Neukamp, saß der Künstler und blickte über den Wreecher See bis nach Putbus. Eine fantastische Sicht öffnete sich dann von hier aus in verschiedene Richtungen bis hin zum Rügischen Bodden. Immer wieder – und das könnte als roter Faden und Orientierungshilfe für die Radtour verstanden werden – blickte die Gruppe auf die Insel Vilm, die reizvolle kleine Insel vor der Putbusser Küste. Davor gelagert waren Buchten, Hügel, Baumreihen oder Feldstreifen, die Aufnahme in den Friedrich-Skizzen und am Samstag in den Digitalkameras der Spurensucher fanden.
Viel Lob erntete die Fahrt an dem von der Sonne verwöhnten Herbsttag, denn selbst die hier aufgewachsenen Rüganer mussten gestehen, dass sie ohne die Führung einige der Aussichtpunkte nicht kannten oder gesucht hätten. Sigismund von Schöning lobte das Anliegen der Veranstaltung: „Ich finde es schön, dass es solch ein Angebot auch für die Einheimischen gemacht wird.“ Das werde auf der Touristeninsel, so der der Garzer Pastor im Ruhestand, sehr häufig vergessen. Die Tour, die in den kommenden Jahren als touristisches Angebot für Romantikerfreunde ausgebaut werden könnte, versteht der Verein als Anfang weiterer Radtouren zu all den anderen Friedrichstandorten wie etwa auf den Halbinseln Mönchgut und Jasmund. Schon im kommenden Jahr werden die Organisatoren eine nächste Route ersinnen und für die ruhigen, besinnlichen Seiten der Insel werben – wie sie Caspar David Friedrich in seiner Zeit liebte, sah und für die Nachwelt festhielt.

André Farin


Romantiker-Radtour auf den Spuren von Caspar-David-Friedrich
Tour 1 (35 km)

Start: Schlosskirche Putbus

Stopp 1: Radweg nach Wreechen (Blick auf die Weidenallee Neuendorf und Rügischen Bodden) – Stopp 2: Alte Wreecher Wassermühle (Blick auf den Wreecher See) – Stopp 3: Caspar-David-Friedrich-Sicht bei Krakvitz (Blick auf die Insel Vilm und den Bodden) – Stopp 4: Anhöhe bei Glowitz (Blick auf Boddenlandschaft) – Stopp 5: Hafen Lauterbach (Skizze mit dem Badekarren von 1815) – Stopp 6: Vilmnitz (Blick auf Kulturlandschaft um Posewald) – Stopp 7: Denkmal für Friedrich Wilhelm I. bei Groß Stresow) – Stopp 8: Ziegensteine (Ansichten von Großsteingräbern) – Stopp 9: Anhöhe bei Gobbin (Blick auf Neu-Reddevitz)

Stopp 10 und Ende: Teschenberg (Blick auf den Gobbiner Burgwall).

Förderverein Residenzstadt Putbus & Schloßpark e.V.