Masterplan Park

Unser Mitglied Uwe Driest wurde in den Projektbeirat „Masterplan Park“ berufen und ließ uns folgende Eindrücke von den ersten Treffen zukommen:

Mit herrlichen Bildern üppiger Pflanzen einer Orangerie, eines kunterbunten Küchengartens, überwucherter Schlossterrassen sowie bunter Wiesen voller Schmetterlinge und lachender Kinder auf einer Pony-Reitbahn leitete das Planungsbüro seine Präsentation für einen möglichen „Masterplan Park Putbus“ am Montag im IT-College ein. Rund 50 Bürger waren dem Aufruf gefolgt, sich an Überlegungen zur künftigen Gestaltung zu beteiligen und Ideen einzubringen.

Der Vision folgte die ernüchternde Bilanz des Ist-Zustandes: So sei der Baumbestand dramatisch überaltert, existierte Besucherlenkung nur marginal, seien mobile Bänke willkürlich und nicht besucherfreundlich platziert. Zudem monierten die Planer die „lieblose“ Restaurierung von Pergola und Fasanenhaus und die dysfunktionale Installation der wenigen Spielgeräte.

Auch die Rahmenbedingungen boten Anlass zu Kritik; so sei die Alleestraße undurchlässig in Richtung Park und müsse viel mehr Verweilorte für Besucher, als für parkende Autos bieten.

Da ein Wunschzettel allein aber nicht für Veränderungen ausreicht, sind überdies Fragen nach Betrieb und Management des Parks zu beantworten. Zwar, so Hans Dieter Knapp vom Förderverein Residenzstadt und Schlosspark Putbus, könne sich der Park „gemessen an dem, was heute zur Verfügung steht, durchaus sehen lassen“, Berechnungen der Planer zufolge würde aber selbst der Erhalt des Status quo ohne Ein-Euro-Kräfte etwa 350.000 Euro jährlich kosten.

Die Überlegungen gehen daher gar in Richtung einer teilweisen saisonalen Einzäunung, um Eintrittsgelder erheben und Installationen vor Vandalismus schützen zu können. In der Variante „Historischer Schlosspark“ beispielsweise würden die aufzubringenden Investitionen und Kosten laut Planungsbüro zu 60 Prozent durch Eintrittsgelder für den Park, der Rest aus Eintritt für Marstall und Veranstaltungen sowie Mieten und Pachten gedeckt werden. Wenn, ja wenn künftig 300.000 Besucher den Park sehen und dafür zahlen möchten. Daher kämen noch einmal 750.000 Euro Investition für ein entsprechendes Marketing hinzu.

So wird man die Nase wohl auch in andere Töpfe wie jenen der Landesstiftung „Schlösser und Gärten“ stecken. Ginge es nach Barbara Marquardt von Rügens Kulturstiftung, würden gar Landkreis und Ostseebäder Mitverantwortung übernehmen. Schließlich käme die vom Kulturtourismus-Netzwerk formulierte Funktion von Putbus als „Kulturhautstadt“ der gesamten Insel zugute.

Mitbedenken müsse man der Versammlung zufolge zudem die Rolle des Schlosses, beziehungsweise dessen Standorts, den Marstall als Veranstaltungsort für die MV-Festspiele sowie den Umstand, dass Rügen noch immer weder über ein angemessenes Museum, noch eine Kunsthalle verfüge.


Uwe Driest

Stellungnahme

Uwe Driest war bereits in das Leaderplus-Projekt „Parknetzwerk Rügen“ involviert und moderierte 2004 im Rahmen des Leaderplus-Projekts „Kulturtourismus-Netzwerk Rügen“ die Putbusser AG „Kulturhauptstadt Rügens“. Heute ist er für den Verband „INSULA RUGIA“ Mitglied in der „Lokalen Aktionsgruppe Leader“, die über den Masterplan zu befinden hat. Zum Stand der Diskussion ließ er uns folgende erste Thesen zukommen, die nicht notwendigerweise die Meinung des Vereins wiedergeben:

Der Park sollte seinem Wesen nach Landschaftspark bleiben, der gleichermaßen Möglichkeiten der Verlustierung, wie auch kontemplative Orte bietet und nicht in erster Linie Freizeitpark mit naturnaher Anmutung werden.

Auch aus diesem Grund scheidet eine Variante, für deren Umsetzung der Park eingezäunt werden müsste, aus. Der Zugang zum Park muss so frei wie möglich und so eingeschränkt wie für die Finanzierung unbedingt erforderlich bleiben. Dabei muss der Park nicht unter allen Umständen kommerziell autark werden, sondern sollen Investitionen auch als Marketing-Einsatz gelten, welcher indirekte Wertschöpfung in der Stadt generiert.

Aus diesem Grund sollte die Vogelinsel auf dem Schwanenteich nicht menschlich genutzt werden und keine Boote auf dem See fahren.

Auf dem „Schwanenteich“, auf dem heute allenfalls noch einige Stockenten zu sehen sind, tummelten sich einst hunderte exotischer Wasservögel, denen die Insel als Refugium diente. Die Insel wurde aber zuletzt durch eine Brücke zugänglich gemacht, welche für die Wegeführung weder erforderlich noch sinnvoll ist.

Stattdessen fehlt die historische Brückenquerung an der „Taille“ des Sees, um Besuchern einen kurzen Rundweg zu ermöglichen.

Wenn auf der Insel wieder Wasservögel angesiedelt würden und für diese – ebenfalls nach historischem Vorbild – wieder Entenhäuser im See installiert würden, böte die heute leere Wasserfläche so manchen Farbtupfer.


Als Erkenntnis aus der Tätigkeit des „Kulturtourismus-Netzwerks“ sowie der Erfahrungen von Kap Arkona und Königsstuhl sollte bei der Bepreisung von Leistungen (Eintritt / Parkgebühren) nach dem Prinzip „lieber einmal mehr, als mehrmals wenig zahlen“ verfahren werden. Das heißt, es sollten Gebühren soweit vertretbar als Tagesparkgebühren erhoben werden und nicht - wie bisher angedacht – niedrige Tagesgebühren erhoben und zusätzlich Eintrittsgelder an Marstall, Orangerie etc. erhoben werden. (Dass für einheimische Bürger Sonderkonditionen gelten sollen, ist Konsens.)


Richtig ist somit auch der Gedanke, die Parkraumbewirtschaftung zu konzentrieren. Dabei sollte die aktuell vorgeschlagene Lösung, den Parkverkehr an Circus und Markt zu platzieren (und so Platz auf der Alleestraße zu schaffen), eine vorläufige, den aktuellen Rahmenbedingungen und Sachzwängen geschuldete sein. Perspektivisch sollten die historischen Ensembles frei von Autos und anderen Nutzungen zugeführt werden.

Die Parkraumbewirtschaftung sollte perspektivisch auf Plätze an den vier Ein-/Ausfallstraßen verlagert werden: Richtung Garz (Jägerhütte), Richtung Bergen (beim heutigen Autohandel), Richtung Binz (Bahnhof) und Richtung Lauterbach/Wreechen am bestehenden Platz.

Einen gebührenpflichtigen Busparkplatz zu schaffen, ist unsinnig, da jene ausweichen oder (schlimmer) die Stadt meiden, resp. den Aufenthalt verkürzen werden.


Es sollte in jedem Fall, d. h. auch bei der Umsetzung der sogenannten Variante 3 (Schlosspark), ein barrierefreier Spielplatz für Kinder und Erwachsene („Seniorenspielplatz“) eingerichtet werden.

 

 

Förderverein Residenzstadt Putbus & Schloßpark e.V.