Feier zum 200. Jubiläum von Putbus auf Rügen

Geburtstag von Fürst Malte zu Putbus im Jahr 2010

200-Jahrfeier von Putbus zum Fürstengeburtstag

  1. August 2010

Die offizielle Feier zum 200. Jubiläum von Putbus war weit mehr als ein Festakt.

Der Abend im Theater war vielmehr ein Stelldichein von Liebhabern der ehemaligen Residenzstadt, die zusammengekommen waren, um Putbus einen Strauß Komplimente zu überreichen. Dass Michaela zu Putbus im Rahmen der Veranstaltung die schönsten Rosen des Jahres 2010 auszeichnete, passte so trefflich zu dem Ereignis.

Selbst die musikalische Umrahmung durch das Philharmonische Orchester des Theaters Vorpommern hatte symbolischen Charakter: „Die Unvollendete“ von Franz Schubert erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Stadt und an eine sympathische Unvollkommenheit. „Schritt für Schritt arbeiten die Putbusser am unverwechselbaren Profil ihrer Stadt, auch wenn nicht jeder Schritt auf Anhieb gelingt und nach vorne führt“, sagte Kreistagspräsidentin Gisela Lemke in ihrem Grußwort. „Was wäre Rügen ohne Putbus!“ Es ist nicht selbstverständlich, dass die Stadt mit knapp 5000 Einwohnern von allen Rednern mit ähnlichen Prädikaten bedacht wurde. Weiße Stadt am Meer, Stadt der Rosen, Kulturstadt, Fürstenstadt — nicht nur wegen der Jahrfeier reihte sich Superlativ an Superlativ. Nein, man hatte den Eindruck, dass die Menschen, die bei diesem Festakt versammelt waren, Putbus wirklich mögen. „Wer hierher kommt, taucht in eine andere Welt“, sagte der Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche, Hans-Jürgen Abromeit. „Aushängeschild für Rügen“ nannte Lemke die Stadt. Den Begriff „blühende Stadt“ benutzte Hans Dieter Knapp, der eine lebendige Festansprache anlässlich des Geburtstages des Ortsgründers Fürst Wilhelm Malte zu Putbus hielt.

Trotz der Feststimmung wurden auch die problematischen Zeiten der 1810 von Fürst Wilhelm Malte zu Putbus gegründeten Residenz angesprochen. Der wundeste Punkt: Der Abriss des Schlosses zu DDR-Zeiten.

„Die Stadt verlor ihr Herzstück“, sagte Bürgermeister Harald Burwitz. Innenminister Lorenz Caffier: „Ein Wermutstropfen: Die Vernichtung des Schlosses aus ideologischen Gründen.“ Bischof Abromeit bezeichnete die 1962 erfolgte Zerstörung des Schlosses als „staatlich verordnete Barbarei.“ Es sei makaber, dass der Chef des damaligen DDR-Bezirks Rostock, Harry Tisch, Putbus 1960 das Stadtrecht verlieh und wenig später den Abriss ihres Mittelpunktes hinnahm.

Übereinstimmend betonten alle Gratulanten die gelungene Mischung aus Tradition und Moderne in der Stadt, beispielsweise die restaurierte Orangerie, das sanierte Pädagogium, in dem IT-Technik gelehrt wird oder das fürstliche Badehaus, das heute ein Wellness-Hotel beherbergt. Kreistagspräsidentin Lemke fand dafür ein Zitat von Carl Friedrich von Weizsäcker: „Tradition ist bewahrter Fortschritt, Fortschritt ist weitergeführte Tradition.“ In diesem Sinne gingen an Putbus herzliche Wünsche von allen Anwesenden. „Mischen Sie alle sich weiter ein und gestalten Sie weiter mit!“

Lena Roosen, Ostsee-Zeitung, 3. August 2010